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Germanen und Slawen -1 u.Z. bis 1100

Von Beginn der Zeitrechnung bis um die Mitte des ersten Jahrtausend ist die Anwesenheit von Ostgermanen durch Waffen- und Gefäßfunde belegt. Sie gehörten zum Stamme der Semnonen, die um 400 die Gegend östlich der Elbe verließen. Bei Schwedt wurde ein Grab mit reichhaltigen Beilagen (ein zweischneidiges Schwert, eine Lanzenspitze und ein Schildbuckel) gefunden.
Im Zuge der Völkerwanderung (ab 500 u.Z.) drangen slawische Volksgruppen, wie die Obodriten, Lutizen (auch Wilzen genannt) und Heveller von Osten bis an die Elbe vor. Ihre Stämme nannten sich oft nach den Flüssen, an denen sie siedelten. Hier in der Uckermark nannten sie sich nach dem Fluß U(e)cker, Ukranen, und gehörten zum Stamme der Ranen, deren Verbreitungsgebiet von der Insel Rügen, über die Insel Usedom, bis an die untere Oder reichte. Verschiedene Publikationen zählen die Ukranen auch zu den Wilzen (auch Lutizen), die die Gegend um obere Havel, Neubrandenburg bis an die Ostseeküste bevölkerten.
Die Ukranen gehörten zu den stärksten und einflußreichsten Stämmen im spätslawischen Lutizenbund. Sie waren ein bedeutendes und wohlhabendes Volk. Als Markgraf Gero im Jahre 954 die Ukranen besiegte, kehrte er mit “... ungeheuer viel Beute heim und in ganz Sachsen herrschte große Freude.”
Die slawischen Hauptstämme wurden von Königen geführt, denen wenige Kleinkönige (Fürsten) unterstanden. In Schwedt befand sich nach der Deutung der archäologischen Funde, die wir hauptsächlich dem Heimatforscher Carl Ballenthin verdanken, eine Fürstenburg in der Nähe des heutigen Schöpfwerkes Schwedt I auf dem Ostufer der Oder. Nur in diesen Zentren befanden sich auch die Heiligtümer der Slawen, wo sie ihren Göttern huldigten oder Stammesversammlungen abhielten. Nach Westermann (Schwedter Ortschronist um 1930) soll sich im Bereich der evangelischen Stadtkirche ein Heiligtum befunden haben. Ein weiteres wurde von ihm am heutigen Flinkenberg vermutet. Auch die Ableitung der heutigen Ortsbezeichnung Schwedt vom slawischen suet = heilig (durch den gleichen Autor) bekräftigt diese Annahme.
Daß es sich bei der Schwedter Slawenburg um eine bedeutende Siedlung gehandelt hat, bestätigt deren räumliche Gesamtgröße von 130 zu 240 m. Die Fluchtburg war durch eine doppelte Plankenwand gesichert. Der Schwedter Burgwall hatte damit ähnliche Ausmaße wie die „Mecklenburg“ bei Wismar, wo der Stammsitz der Obodriten (des mächtigsten Slawenvolkes) war. Während sich in den Burgen, die stets aus Holz errichtet wurden, zwischen 300 und 1000 Bewohner aufhielten, schätzt man deren Zahl hier auf ca. 1200. Die Bewohner verteilten sich auf drei, durch Wasserläufe getrennte Inseln. Eine Pfahlbrücke führte wahrscheinlich über die Oder an das Westufer, wo sich noch mal eine Handwerkersiedlung (nahe der heutigen Kietzsiedlung) befand. Bis in naher Vergan-genheit war diese Stelle bei den Einheimischen auch als Mühlenberg und Backofenberg bekannt.
Leider gibt es keine gesicherten schriftlichen Überlieferungen über geschichtliche Ereignisse hier vor Ort während der deutschen Ostexpansion und der Jahrhunderte andauernden Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Slawen. Der Schwedter Chronist v. Medem (1837) deutet allerdings eine unauffällige Textstelle im von Widukind verfaßten “Sachsenspiegel” als Hinweis für eine erste Erwähnung unserer Heimatstadt in der deutschen Geschichte. Im Buch III des Sachsenspiegels heißt es, daß der Sachsenherzog Hermann im Jahre 955 seinen Widersacher Wichmann in der Burg Suitleiscranne aufspürte. Es kam dabei vor der Burg zu Kampfhandlungen, in deren Verlauf der Sachsenherzog etwa 40 Bewaffnete tötete, die Burg aber nicht einnehmen konnte, da die Burgbesatzung durch “wildes Geschrei” gewarnt war.
Die Vermutung Medems, daß hiermit die Schwedter Burganlage gemeint ist, wird von vielen angezweifelt, liegt aber auf Grund heute noch gebräuchlicher Orts- und Geländebezeichnungen durchaus im Bereich des Möglichen. Gliedert man Suitleiscranne auf, so stößt man wieder auf das von Westermann abgeleitete suet (hier suit). Aber auch - cranne - ist in der Bezeichnung des heute polnischen Nachbarortes Niederkränig (poln. Krajnik Dolny), der eine erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahre 1270 als Creyenic vorweisen kann, auffindbar und bedeutet soviel wie - am Rande der Niederung / des Tales. Somit ergäbe eine komplette Übersetzung des Namens „Suitleiscranne“ z.B. als „Heiligtum am Rande des Tales“ oder „Kultstätte an der Niederung“ in Zusammenhang mit den archäologischen Funden und den wenigen überlieferten historischen Ereignissen dieser Zeit einen Sinn. Es wären zu viele Zufälle auf einmal, die absolut zusammenpassen. Weitere Indizien, die das bestätigen könnten, sind im weiteren Ablauf der Auseinandersetzungen zwischen Herzog Hermann und Wichmann zu finden. Denn Wichmann floh weiter nach Stettin zum Pommernherzog und weiter in die Gegend um Wolgast, wo er schließlich gestellt wurde. Ein Bezug zu unserer Region liegt also sehr nahe, kann wissenschaftlich aber noch nicht bewiesen werden.



Die ersten Menschen -10000 v.u.Z. bis 0
Die Deutsche Ostexpansion -1100 bis 1300