CHRONIKEN & STADTPORTRAITS

Hierbei handelt es sich um umfangreiche Chroniken der Stadt Schwedt, auf die sich oftmals die nachfolgenden Ausarbeitungen in Journalen beziehen. Den Chronisten vor 1945 standen auch noch andere Quellen und Archivalien zur Verfügung (siehe Ludwig Boer "Archivalien zur Geschichte der Stadt Schwedt" im Heimatbuch des Kreises Angermünde Band 2 1967), deren Authentizität teilweise zwar als unsicher angesehen werden (siehe Schwedter Stadtgründung von 1138 nach Probst), die im Gesamtwerk allerdings keinerlei Zweifel über deren Richtigkeit aufkommen lassen. Warum man an einer Quellenangabe zweifelt, nur weil diese heute nicht mehr existent oder verschollen ist, bleibt ein Geheimnis der Zweifler. Aus meiner persönlichen Sicht schreibt niemand eine Chronik, um darin Dinge zu erfinden. Falsche oder zu gewagte Interpretationen können vorkommen, aber Quellen erfinden ..? Da geht der Vorwurf zu weit. Und wer sich "weit herauslehnt" (siehe erste Erwähnung Schwedts 955 durch Medem), den werden wohl zahlreiche Gründe dazu veranlaßt haben. Auch wenn diese für uns heute nicht mehr nachvollziehbar sind.

0. Chronik des Daniele Auguste Chodowiecki

Kristian Humbsch erwähnt in den Chronikblättern (Zeitung NEUER TAG in den 1980-er Jahren) eine Chronik des Predigers der französchischen Gemeinde Chodowiecki in Schwedt von 1790 und gibt sie als Quelle zu seinen Ausführungen an.



1. Chronik von F.P. von Probst

Diese erschien erstmalig 1824 unter dem Namen "Beiträge zur Geschichte und Statistik der Stadt Schwedt". Die 2. Auflage aus dem Jahre 1834 erschien dann unter dem Titel "Die Stadt und Herrschaft Schwedt - ein historischer Beitrag". Diese wurde ab 1929 neu durch Erich Westermann in den Schwedter Heimatblättern (Nr. 1-10) verlegt.

Der Autor und Besonderheiten:

Friedrich Paul von Probst verfaßte diese Chronik nach seiner Entlassung aus dem Dienst der Schwedter Dragoner, wo er etliche Jahre als Premier-Leutnant diente. Er ist kein ausgesprochener Fachmann (verfaßte aber mehrere Bücher u.a. auch über die Schwedter Dragoner und die Stadt Gartz), hinterläßt allerdings auch keinerlei Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussage über eine slawische stadtähnliche schwedter Siedlung um 1138. Die Quelle dieser Aussage soll ihm in Prenzlau in Form einer Urkunde persönlich vorgelegen haben. Eine weitere mögliche Interpretation dieser Angabe wurde von mir in der Chronik auf Portal-Schwedt getätigt.
Auch er deutet die Nennung Suitleiscranne in der Saxengeschichte als Schwedt. Jedenfalls schließt sich Medem seiner Deutung mit Quellenangabe später an.

2. Chronik von Ludwig von Medem

Diese, wahrscheinlich durch ihre unorthodoxe Veröffentlichung zu Unrecht, unterbewertete Chronik, erschien in 3 Etappen (1837/1838 & 1876) in den Baltischen Studien (herausgegeben von der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde ab 1832/Stettin) unter dem Namen "Geschichte der Stadt Schwedt und des Schlosses Vierraden".

- Teil 1 - im Band 4/Heft 2 Seite 100 bis 242 (1837 anonym erschienen)
- Teil 2 - im Band 5/Heft 2 Seite 192 bis 211 (1838)
- Teil 3 - Heft 26 Seite 158 bis 161 (1876)

Wobei die eigentliche Abhandlung im Teil 1 vorgenommen wurde und in den Teilen 2 und 3 noch einige Nachträge und Ergänzungen erschienen sind. Sehr umfangreich sind die Ausführungen zu den Streitigkeiten der Brandenburger und Pommern im späten Mittelalter 13./14. Jahrundert. Er nutzte wahrscheinlich hauptsächlich Akten des Staatsarchives in Stettin.

Der Autor und Besonderheiten:

Friedrich Ludwig Carl Freiherr (auch Baron) von Medem (1799 - 1885) arbeitete jahrelang (1827 - 1846) im Staatsarchiv in Stettin als Preußischer Archivrat. Dort wurde er 1827 mit der Umordnung des Archives beauftrag und fiel durch seine damalig neumodernen Ansichten auf, die ihn immer wieder bei seinen Vorgesetzten "anecken" ließen. In dieser Zeit verfaßte er neben der Schwedter Chronik auch Schriften über andere Städte u.a. Greifenhagen (poln. Gryfino). Später trat er zurück und verzog nach Westfalen, wo er in Homburg verstarb. Er betätigte sich auch als Privatsammler und hinterließ aus seinem Nachlaß dem Homburger Stadtarchiv u.a. die älteste Stadtansicht von Münster.
Diese Details aus seinem Leben sollten Beweis genug sein für seine Fähigkeit eine Chronik zu verfassen. Dennoch halten viele Historiker seine These über Schwedt's erstmalige Erwähnung in der Geschichte im Jahre 955 für weit hergeholt. Er nennt aber noch andere Möglichkeiten zur Namensdeutung. Durch eine umfangreiche Beweisführung mit Zitaten aus Urkunden und anderer Literatur in der gesamten Chronik wirkt diese sehr gründlich und gewissenhaft. In welchem Bezug v. Medem zu Schwedt stand kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall sprach er, obwohl er in Stettin lebte von unserem Schwedt, unserer Stadt.


Baltische Studien Band 4/Heft 2 von1837

Medem's Chronik bei Google lesen:
Text nicht verfügbar
Baltische Studien
3. Chronik von G. Thomae

Thmoae's "Geschichte der Stadt und Herrschaft Schwedt" erschien 1873. Nach Ludwig Boer ("Archivalien zur Geschichte der Stadt Schwedt") nutze er wohl hauptsächlich Berliner Archive und kam so zu einem Werk, welches ein anderes Flair als die Chroniken von Probst und Medem vermittelten. Dennoch gilt sein Werk bei den wissenschaftlich geprägten Forschern als die fundierteste Ausarbeitung.

Der Autor und Besonderheiten:

Dr. G. Thomae war Konrektor an der höheren Bürgerschule und dem späteren Progymnasium in Schwedt.
Boer fand in seinem oben genannten Artikel keine Anhaltspunkte für die Nutzung des Schloßarchives in Schwedt durch Thomae, welches er selber für seine eigenen Recherchen zum Schwedter Schloß intensivst nutzte und somit auch kannte. Das war für ihn etwas enttäuschend. Nicht weil Thomaes Werk etwas fehlen würde, sondern weil es dann noch beeindruckender und umfangreicher hätte werden können. Thomae verdanken wir aber gerade wegen der Nutzung der Berliner Archive, viele intime Einblicke in das Leben der Markgrafen.

4. Schwedt an der Oder

Dieses Stadtportrait mit Chronikcharakter erschien im Original im Jahre 1929 im Deutschen Städteverlag von Artur Seelemeyer aus Hannover. Verschiedene Autoren wie Westermann, Borriß u.a. bringen Geschichte und damalige Gegenwart an den Mann. Zwar in etwas geballter und gedrängter Form, aber höchst interessant und im Nachdruck der Stadt Schwedt aus dem Jahr 2000 auch mit ansprechender Papier- und Bildqualität. Für alle, die nicht so tiefgründig in die Vergangenheit eindringen wollen eine gute Gelegenheit.


Schwedt an der Oder (1929) Stadtportrait und Chronik in einem

5. Geschichte der Stadt Schwedt - einst und jetzt

Die von Erich Westermann verfaßte und mit Unterstützung der "Schwedter Zeitung" im Magdeburger Verlag F.W. Willmann 1934 herausgegebene Zeitschrift im A5-Format würde ich gerne jedermann empfehlen, wenn es da nicht die Probleme der Beschaffung und des Preises geben würde. Ich bin echt froh darüber, daß ich dieses 64 Seiten starke Heft über eine Internetauktion erwerben konnte. Besonders interessant sind die Zeit des Mittelalters, die Epoche der Grafen von Hohenstein und des 30-jährigen Krieges sowie die zahlreichen Bilder.
Die Geschichte ist durch die relativ kleine altdeutsche Schrift schwer zu lesen und durch reichlich Werbung schrumpft der eigentliche Schriftumfang um 20 Seiten. Aber selbst dies verwährt aus heutiger Sicht einem kleinen historischen Büchlein nicht den Weg unter die bedeutendsten Werke der geschichtlichen Regionalliteratur.

Aus dem Inhalt: Ursprung und Vorgeschichte, Frühgeschichte und Askanierzeit, Unter dem Pommerschen Greifen, die Zeit der Grafen von Hohenstein, Schwedts Niedergang im 30-jährigen Kriege, Unter den Markgrafen von Brandenburg - Schwedt, Von der Franzosenzeit bis zum Weltkriege, Die Nachkriegszeit bis zum Beginn des Dritten Reiches, Die Schwedter Zeitung - ihre Verleger und Drucker

Der Autor und Besonderheiten:

Erich Westermann (1885 - 1947) war Obersekretär der Schwedter Hagel - und Feuerversicherungsgesellschaft. Ehrenamtlich war er zusätzlich als Stadtarchivar tätig. Dies versetzte ihn in die Lage, viele im Schloßarchiv noch unentdeckte Akten auszuwerten. Seinen zahlreichen Veröffentlichungen (inkl. der 14-tägigen Heimatblätter) gingen oft tagelange Besuche des Archives voraus. Da das Schloßarchiv nach Berlin ausgelagert und dann 1943 durch einen abgeschossenen alliierten Bomber zu einem großen Teil vernichtet wurde, sind seine Aufzeichnungen wahrscheinlich die einzigen möglichen wiederverwertbaren Schriften (zzgl. Boer) aus dem Schloßarchiv.
In letzter Zeit hat aber das Ansehen von Westermann bei mir gelitten. Vieles in seinen Veröffentlichungen entpuppt sich als Abschriften von Autoren und aus Archiven. Seine eigenen Deutungen sind oft sehr ausschweifend und wenig fundiert. Sein eigentlicher Verdienst liegt in seinen zahlreichen Veröffentlichungen, die durch Kriegsverlust der Originale oft als einzige heutige Quelle dienen können.




Schwedt - einst und jetzt 1934 von E. Westermann

6. 700 Jahre Stadt und Herrschaft Schwedt

Aus dem Jahre 1936 stammt dieser Beitrag, ebenfalls von Erich Westermann, herausgegeben durch Druck und Verlag H. Schwantes in Schwedt. Dieses Chronikheft ist eine erweiterte Ausgabe der "Geschichte der Stadt Schwedt - einst und jetzt". Ein interessantes Werk, leider mit einigen falschen Zeitangaben.


700 Jahre Stadt und Herrschaft Schwedt 1936 von E. Westermann

Weitere Schriften mit Chronikcharakter:

Aus Schwedts Geschichte - Westermann (1926)

Schwedt 1265 bis 1990 - Stadt Schwedt (Minibuch 1990)

Schwedt's Geschichte - Sill (www.portal-schwedt.de 2006)

(DS April 2008)